Zu viel Kremationsasche für die Urne, was nun?
Nach einer Kremation erhalten die Angehörigen die Asche der verstorbenen Person in einer Aschekapsel oder einem Aschebehälter. Häufig erfolgt die endgültige Wahl der Urne erst danach. Manchmal stellt sich erst in diesem Moment heraus, dass nicht die gesamte Kremationsasche in die ausgewählte Urne passt. Das kann verunsichern, insbesondere wenn die Urne bereits mit großer Sorgfalt ausgesucht wurde.
Diese Situation kommt häufiger vor als gedacht und lässt sich in vielen Fällen gut lösen. Im Folgenden erklären wir, warum dies vorkommt, welche Möglichkeiten bestehen und worauf Sie bei jeder Option achten sollten.
Warum passt nicht die gesamte Asche in die Urne?
Nicht jede Urne ist für die vollständige Menge an Kremationsasche ausgelegt. Das Fassungsvermögen unterscheidet sich je nach Modell und ist auf den vorgesehenen Zweck abgestimmt, etwa auf eine Standardurne, eine Doppelurne oder eine Kleinurne.
Die Menge der Asche wird unter anderem beeinflusst durch:
- das Körpergewicht und die Knochenstruktur der verstorbenen Person
- den Kremationsprozess sowie die Nachbearbeitung der Knochenreste (Vermahlen und Sieben)
- den verwendeten Sarg sowie eventuell beigelegte Materialien oder Gegenstände
Als grobe Richtwerte gelten:
- Erwachsene: durchschnittlich etwa 3 bis 3,5 Liter Asche
- Kinder: entsprechend weniger, abhängig vom Alter
- Haustiere: stark abhängig von Größe und Gewicht
Designurnen, Kleinurnen sowie Urnen in Skulpturform verfügen häufig über ein geringeres Fassungsvermögen und sind nicht immer dafür vorgesehen, die gesamte Asche aufzunehmen.
Option 1: Wahl einer größeren Urne
Die naheliegendste Lösung ist die Wahl einer Urne mit ausreichendem Volumen. Viele Urnen sind innerhalb einer Serie oder eines Designs in unterschiedlichen Größen erhältlich.
Diese Option eignet sich besonders, wenn:
- die gesamte Asche zusammen aufbewahrt werden soll
- die Urne an einer zugelassenen Ruhestätte, etwa auf einem Friedhof oder in einem Kolumbarium, beigesetzt wird
Unter diesem Link finden Sie Hintergrundinformationen zur Menge der Asche, die nach der Kremation anfällt.
Option 2: Aufteilung der Kremationsasche auf mehrere Urnen
Die Aufteilung der Asche ist für viele Familien eine bewusste und persönliche Entscheidung. Ob und in welchem Umfang dies möglich ist, hängt jedoch von den jeweiligen gesetzlichen Vorgaben ab.
Häufig gewählte Kombinationen sind:
- eine Haupturne mit dem größten Teil der Asche
- Kleinurnen für nahe Angehörige
- eine Urne in Kombination mit Erinnerungsschmuck (Ascheschmuck), sofern rechtlich zulässig
Diese Lösung kann es mehreren Personen ermöglichen, eine greifbare Erinnerung zu bewahren. In Deutschland und Österreich unterliegt die Teilung der Asche jedoch in der Regel strengen Vorgaben. Eine vorherige Beratung durch einen Bestattungsfachbetrieb ist daher empfehlenswert.
Option 3: Einen Teil aufbewahren und einen Teil verstreuen
Eine weitere Möglichkeit besteht darin, einen Teil der Asche aufzubewahren und einen anderen Teil zu verstreuen.
Zum Beispiel:
- ein Teil in einer Urne oder Kleinurne
- der verbleibende Teil an einem symbolträchtigen Ort
Dies kann unmittelbar nach der Kremation oder zu einem späteren Zeitpunkt erfolgen. Die Asche kann grundsätzlich über einen längeren Zeitraum in der Aschekapsel aufbewahrt werden, bis Sie eine Entscheidung treffen.
Bitte beachten Sie, dass die gesetzlichen Regelungen zur Ascheverstreuung je nach Land, Bundesland, Kanton oder Gemeinde unterschiedlich sind.
In Deutschland und Österreich ist die Verstreuung in der Regel nur auf hierfür vorgesehenen Friedhofsflächen oder in dafür zugelassenen Formen erlaubt. In der Schweiz bestehen je nach Kanton weitergehende Möglichkeiten, jedoch ebenfalls unter bestimmten Auflagen und häufig mit Zustimmung der zuständigen Behörden oder Grundstückseigentümer.
Option 4: Vorübergehende Aufbewahrung in der Aschekapsel
Wenn Sie noch keine endgültige Entscheidung treffen möchten, ist das vollkommen verständlich. In vielen Fällen kann die Asche zunächst sicher und würdevoll in der ursprünglichen Aschekapsel verbleiben.
Dies bietet Ihnen:
- Zeit für eine ruhige Entscheidungsfindung
- Raum, um emotionale Aspekte zu verarbeiten
- Flexibilität für eine spätere Wahl
Bitte beachten Sie, dass mögliche Fristen oder organisatorische Vorgaben des Krematoriums, der Friedhofsverwaltung oder der zuständigen Behörde berücksichtigt werden müssen.
Option 5: Verdichten der Asche durch Zugabe einer kleinen Menge Wasser
In Ausnahmefällen wird der Kremationsasche eine sehr geringe Menge Wasser hinzugefügt, um das Volumen leicht zu reduzieren. Kremationsasche besteht überwiegend aus Calciumverbindungen, unter anderem aus Kalk. Durch die Zugabe von Wasser kann eingeschlossene Luft zwischen den Aschepartikeln entweichen, wodurch sich die Asche kompakter setzt.
Diese Methode wird ausschließlich angewendet:
- bei geringem Volumenüberschuss
- mit großer Vorsicht und Zurückhaltung
- vorzugsweise durch einen Bestattungsfachbetrieb oder eine erfahrene Fachperson
Nach dem Verdichten trocknet die Asche wieder und bleibt in der Regel stabil.
Wichtiger Hinweis zu dieser Methode
Das Verdichten von Kremationsasche mit Wasser wird nicht empfohlen, wenn eine spätere Umbettung oder das Umfüllen in eine andere Urne vorgesehen ist. Durch die Feuchtigkeit kann die Asche aushärten und eine feste Struktur annehmen. In Verbindung mit der Form mancher Urnen kann dies dazu führen, dass die Asche später nicht mehr ohne Beschädigungsrisiko entnommen werden kann.
Auch bei einer Aufstellung im Außenbereich ist diese Methode nicht ratsam. Frost und andere Witterungseinflüsse erhöhen das Schadensrisiko erheblich. Restfeuchtigkeit in Kombination mit Kälte kann Spannungen im Material verursachen, mit möglichem Risiko für:
- Verfärbungen
- Risse
- Abplatzungen
- Bruch
Dieses Risiko besteht insbesondere bei:
- Keramik
- Porzellan
- Naturstein
- anderen porösen Materialien
Daher gilt:
- möglichst nicht bei Außenaufstellung anwenden
- nur unter stabilen Innenbedingungen in Erwägung ziehen
- immer vorher fachlichen Rat einholen
Option 6: Alternative und symbolische Formen des Gedenkens
Neben klassischen Urnen bestehen weitere Möglichkeiten, einen Teil der Asche aufzubewahren oder das Gedenken individuell zu gestalten, zum Beispiel:
- Ascheschmuck
- Kleinurnen
- biologisch abbaubare Urnen zur Erdbestattung
- Doppelurnen
Diese Formen werden häufig mit einer anderen Bestimmung für den verbleibenden Teil der Asche kombiniert und müssen stets den geltenden gesetzlichen Rahmenbedingungen entsprechen.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
Ist es problematisch, wenn nicht die gesamte Asche in einer Urne aufbewahrt wird?
Nicht zwingend. In bestimmten Fällen ist eine Aufteilung möglich. Ob und in welchem Umfang dies erlaubt ist, richtet sich nach den jeweiligen gesetzlichen Vorgaben und kann genehmigungspflichtig sein.
Darf Kremationsasche feucht werden?
Technisch ist eine Befeuchtung möglich, sie stellt jedoch keine Standardpraxis dar und erfordert besondere Vorsicht. Für Urnen im Außenbereich wird sie ausdrücklich nicht empfohlen.
Kann ich später noch eine andere Urne wählen?
In vielen Fällen ja. Die Asche kann vorübergehend in der Aschekapsel verbleiben, bis eine endgültige Entscheidung getroffen wurde, sofern organisatorische und rechtliche Vorgaben eingehalten werden.
Gibt es gesetzliche Vorgaben zur Ascheverwendung?
Ja. In Deutschland und Österreich unterliegt die Asche in der Regel dem sogenannten Friedhofszwang. Aufbewahrung, Teilung oder Verstreuung sind nur im Rahmen der jeweiligen Landesgesetze zulässig. In der Schweiz gelten kantonale Regelungen. Eine fachkundige Beratung ist in jedem Fall empfehlenswert.
Zum Schluss
Zu viel Kremationsasche für eine Urne ist kein Problem, sondern ein Anlass, innezuhalten und bewusst zu entscheiden. Es gibt keine allgemein richtige oder falsche Lösung, sondern eine, die zu Ihrer persönlichen Situation passt und rechtlich zulässig ist.
Nehmen Sie sich Zeit, lassen Sie sich gut beraten und wählen Sie eine Lösung, die Ihnen Ruhe und Klarheit gibt. Eine würdevolle Erinnerung muss nicht überstürzt festgelegt werden.















